
Elektrizitätswerk Hindelang eG
Unterer Buigenweg 1
87541 Bad Hindelang
Tel: 08324 9300-0
Fax: 08324 9300-50 Info@ewhindelang.de
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Elektrizitätswerk Hindelang eG
Unterer Buigenweg 1
87541 Bad Hindelang
Tel: 08324 9300-0
Fax: 08324 9300-50 Info@ewhindelang.de
Die Genossenschaft Elektrizitätswerk Hindelang eG besteht seit 1923 und hat derzeit rund 350 Mitglieder.
Die Verantwortung für das Unternehmen teilen sich Vorstand und Aufsichtsrat mit folgender Besetzung:
Vorstand: Klement Anwander (Vorstandsvorsitzender), Reinhard Wechs, Bernd Benninghoff
Geschäftsführer: Dr. Jochen Damm
Aufsichtsrat: Georg Göhl (Aufsichtsratsvorsitzender), Michael Schneider, Armin Groß, Oliver Braun
Das landschaftlich reizvolle und technisch anspruchsvolle Versorgungsgebiet der Genossenschaft umfaßt eine Fläche von ca. 100 qkm und ist von einer großen Vielfalt von Landschaftsformen geprägt. dabei sind Höhenunterschiede von 833m in Vorderhindelang bis 1136m in Oberjoch zu überwinden. Der höchste Punkt, an den Strom geleitet wird, ist die Schreckseehütte in einer Höhe von 1830m.
Die Weitläufigkeit des Versorgungsgebietes stellt an die Genossenschaft als Stromversorger erhöhte Anforderungen im Bereich der Netzplanung und des Netzausbaues.
Das Wasser aus den Wildbächen der Hindelanger Fluren wird entlang der Ostrach schon seit mehreren hundert Jahren genutzt. Seit 1887 wird mit Hilfe dieses Wassers im Ostrachtal Strom erzeugt. Gerade in der heutigen Zeit ist diese Form der Energieerzeugung von hoher Bedeutung.
Über 60% unserer verkauften Strommenge wird im Versorgungsgebiet regenerativ erzeugt. Davon etwa 40% in eigenen bzw. Beteiligungskraftwerken.
Das Thema Energiewende nehmen wir sehr ernst und haben uns das Ziel gesetzt unseren Beitrag zum weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien im Interesse der nächsten Generationen weiter voran zu treiben.
besteht aus 15 Mitarbeitern in der Verwaltung und der Montagegruppe.

Im August 1896 schlossen drei Sonthofer Bürger mit der Ortsgemeinde Hinterstein einen Vertrag über die Errichtung ines Elektrizitätswerkes auf dessen Fluren. Am 1. August 1897 lieferte das dort erbaute Wasserkraftwerk, die
inzwischen egründete Elektrizitätswerk Sonthofen GmbH – Vorgängerin der heutigen Allgäuer Kraftwerke GmbH
(AKW) – Strom nach Sonthofen. Von den Vorzügen dieser Energie angetan, ließ die Marktgemeinde Hindelang in den Ortschaften Hindelang und Bad Oberdorf Straßenlampen errichten.
Den Strom hierfür lieferte das Hintersteiner Kraftwerk, wofür die Marktgemeinde jährlich pauschal 30 Mark bezahlte.
So gab es zum Beispiel im unteren Kirchdorf in Hindelang 8 Flammen. Das Ein- und Ausschalten besorgte der Kirchebäck“ im Haus Nr. 59 für 8 Mark jährlich.
Da dieses Kraftwerk mehr Strom erzeugte als in Sonthofen verbraucht wurde, versorgte die Sonthofer Betreiber- gesellschaft nach und nach auch Ostrachtaler Haushalte, Wirtschaften und Bauernhöfe mit Strom. Vorreiter bei der Elektrifizierung war die Ortschaft Bad Oberdorf. Dort gab es bereits ab März 1899 Strom für „Jedermann“.
Es folgte Hindelang im Jahr 1902. Erst 15 Jahre später wurden die Ortschaften Bruck und Hinterstein an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen. Die Kirche in Hinterstein war hiervon ausgenommen. Diese hatte bereits im Jahr
1899 eine elektrische Beleuchtung.
1902 beantragte die Marktgemeinde Hindelang bei der damaligen Elektrizitätswerk Sonthofen GmbH die Lieferung von Kraftstrom für den Betrieb einer geplanten elektrischen Bahn von Hindelang nach Sonthofen. Gleichzeitig wollte die Marktgemeinde auch Lichtstrom für die Gemeinde und ihre Bürger haben. Diese Anträge wurden wie folgt beschieden: Die Lieferung von Kraftstrom für die elektrische Bahn wurde abgelehnt und der Antrag auf Versorgung mit Lichtstrom befürwortet. Die Begründung aus Sonthofen lautete kurz gefasst: „Licht vor Kraft“. Bis zur Inbetriebnahme des
Kraftwerkes „Auele“ im Jahr 1925 wurden die Ostrachtaler Ortschaften vom Kraftwerk Hinterstein mit Strom versorgt.
Das notwendige Verteilernetz war im Besitz der Elektrizitätswerk Sonthofen GmbH.

In Sorge um eine zunehmende Fremdbestimmung bei der Stromversorgung bemühte sich die politische Gemeinde Hindelang seit langem, ein eigenes Kraftwerk zu errichten. Neben der Versorgung mit Lichtstrom sollte ausreichend elektrische Kraft zur Verfügung stehen, um die lang ersehnte Bahnlinie von Hindelang nach Sonthofen mit Kraftstrom beliefern zu können.
Da die Allgäuer Kraftwerke Sonthofen ohne vertragliche Bindung die Elektrizitätsversorgung in der Gemeinde Hindelang durchführte, standen diesem Plan zumindest formell keine Hürden im Weg. Alle möglichen Wasservorkommen im Gemeindegebiet wurden für Vorplanungen zur Erbauung eines eigenen Elektrizitätswerkes berücksichtigt.
Ein Entschluss zur Verwirklichung wurde jedoch nicht gefasst. Um nichts zu versäumen, vereinigten sich Hindelanger Bürger aller gesellschaftlicher Gruppen zu einer Interessensgemeinschaft, die zum Ziel hatte, ein „Hindelanger“ Elektrizitätswerk zu bauen. Dies führte letztendlich am 1. Mai 1923 zur Gründung der Genossenschaft „Elektrizitätswerk Hindelang eGmbH“, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung. (Zur Erklärung: Der Zusatz mbH – mit beschränkter Haftung – wurde 1974 vom Registergericht gelöscht, die Firmierung lautete von nun an „Elektrizitätswerk Hindelang eG“, eingetragene Genossenschaft.)
Auf Einladung von Bürgermeister Michael Haas und dessen Stellvertreter Karl Waibel versammelten sich im Rathaussaal von Hindelang – wie es im Originalprotokoll heißt – eine Anzahl Einwohner, um eine Elektrizitäts-genossenschaft zu er-richten.
48 Personen dieser Versammlung haben noch an diesem Tag dem Statut zugestimmt und durch ihre Unterschrift den Beitritt zur Genossenschaft erklärt.

Damit war die Genossenschaft gegründet. Mit Eintragung ins Sonthofer Genossenschaftsregister am 11. Juni des gleichen Jahres konnte der Geschäftsbetrieb offiziell aufgenommen werden. Am Tag der Gründungsversammlung
fand auch die erste ordentliche Generalversammlung mit der Wahl von 5 Vorständen und 9 Aufsichtsräten statt.
Michael Haas wurde zum Vorstandsvorsitzenden und Karl Waibel zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt.
Nun waren alle formellen Voraussetzungen geschaffen, das geplante Werk zu bauen und ein neues Ortsnetz
zu errichten.

Die Gemeinde gab ihre Pläne, selbst ein Elektrizitätswerk zu bauen, auf. Sie überließ diesbezüglich alle Aktivitäten
der zu diesem Zweck ausschließlich von Hindelanger Bürgern gegründeten Genossenschaft. Mit viel Schwung und unter-nehmerischem Elan gab es jetzt nur noch ein Ziel, die Elektrizitätserzeugung und -versorgung auf eigene Beine
zu stellen. Die damaligen wirtschaftlichen Verhältnisse in der Inflationszeit führten bei der Planung und Ausführung
zu Rück-schlägen. Aber gerade diese Situation beflügelte offensichtlich den enormen Unternehmertrieb,
dem Schicksal zu trotzen. Am Ende hatte man das gesteckte Ziel, wenn auch verspätet und teurer als geplant,
erreicht (siehe Bericht: „Von der Entstehung eines Elektrizitätswerkes“). Nach Errichtung und Inbetriebnahme des Kraftwerkes Auele galt es nun, die ganze Kraft für den Aus- und Neubau der Versorgungsleitungen einzusetzen.
Nur durch steigende Stromverkäufe war es möglich, die Kredite für den Kraftwerksbau zu tilgen und die hohen Zinsbelastungen zu verkraften. Nach und nach wurden immer mehr Bürger mit Licht- und Kraftstrom versorgt.
1933 kam auch der Ortsteil Oberjoch zum Versorgungsgebiet der Genossenschaft.
Bis heute flossen viele Millionen in den Netzausbau.

Die Rückschläge während der Bauphase 1923 – 1925 hätten beinahe das völlige Aus für die Genossenschaft
und ihrem Traum eines eigenen Elektrizitätswerkes bedeutet. Unternehmerisches Geschick und eine Portion Glück verhinderten Schlimmeres. Die Kriegs- und Nachkriegsjahre von 1939 – 1948 waren eine weitere harte Prüfung
für die Genossenschaft. Zum Wehr- und Kriegsdienst eingezogene Mitarbeiter fehlten, um einen einigermaßen geordneten Betrieb sicherstellen zu können. Die notwendige Materialbeschaffung wurde immer schwieriger.
Die Genossenschaft musste in ihrer bis dorthin kurzen Geschichte die zweite Inflation überstehen.
Erst 1948 mit Einführung der Deutschen Mark normalisierten sich die Betriebs- und Geschäftsabläufe allmählich.
In große Bedrängnis kam die von Wasser abhängige Genossenschaft 1947. Dieses bis dorthin trockenste Jahr des Jahrhunderts ließ die Stromerzeugung in den Wasserkraftwerken Auele und Lexenmühle fast zum Erliegen kommen.
Die noch vorhandene Erzeugung wurde durch Abschaltungen, vor allem bei Tag, so gut es ging an die
Stromabnehmer verteilt.
Während 1947 fehlende Niederschläge zu katastrophalen Verhältnissen führten, brachten mehrfach gewaltige Hochwässer die Genossenschaft in schwierige Situationen. Am 10. August 1970 gab es sintflutartige Regenfälle, die ein Jahrhunderthochwasser in der Ostrach verursachten. Hierdurch wurde die Wehranlage beim Werk Vorderhindelang total zerstört. Trotz anfänglicher Untergangsstimmung besann man sich wieder auf die eigenen Stärken und meisterte auch diese dritte große Katastrophe.

Mit der Inbetriebnahme des Kraftwerkes Auele erzeugte die Genossenschaft mehr Strom als sie verkaufen konnte.
Dies war mit Auslöser für die Einrichtung einer Elektroinstallationsabteilung und eines Ladengeschäftes.
Man erschloss sich hiermit neue Kunden. Aber der Überschuss an eigener elektrischer Energie war wenige Jahre
später zu Ende und es kam die Zeit des Stromzukaufs von den Allgäuer Kraftwerken.
1938 kaufte die Genossenschaft das Fabrikgebäude der Lexenmühle in Vorderhindelang.
Im Vordergrund des Interesses stand natürlich das vorhandene Wasserkraftwerk. Wollte man nicht mehr und mehr
von Fremdlieferungen abhängig werden, war die dort mögliche Stromerzeugung für die Genossenschaft von Bedeutung. Die gleichen Beweggründe führten 20 Jahre später, im Jahr 1958, zum Kauf der Weberei Fischen.
Auch hier war das vorhandene Wasserkraftwerk der Auslöser für die Kaufentscheidung. Aber auch wegen der vor- handenen Lager- und Werkstatträume fand dieses Objekt das Interesse der Verantwortlichen.
Im gleichen Jahr wurde für das Kraftwerk Auele eine dritte Maschine in Auftrag gegeben. Die Reihenfolge der Kraftwerks-zugänge gab viele Jahrzehnte die Umgangsnamen für die Werke: Werk 1 für Werk Auele, Werk 2 für Werk Lexenmühle und Werk 3 für das Fischinger Werk.
Die Werke 2 und 3 wurden 1996 in einem neuen Kraftwerk zusammengefasst.
Bei Gründung im Jahre 1923 hatte ein Geschäftsanteil inflationsbedingt einen Wert von 20.000 Mark.
Bereits fünf Monate nach Gründung musste in einer Generalversammlung durch Beschluss dieser Betrag in die schwindelerregende Höhe von 20 Millionen Mark je Anteil angehoben werden.
Nach der Inflation betrug der Wert eines Geschäftsanteils 25 Mark. 1927 beliefen sich die gesamten
Geschäftskosten
der Genossenschaft auf 29.144 Mark. Der Löwenanteil mit 17.863 Mark waren Zinsen für Bankkredite.
Diese Belastung gefährdete offensichtlich die Existenz des jungen Unternehmens ernsthaft.
Deshalb wurde in den Generalversammlungen der Jahre 1927 und 1928 beschlossen, dass die Mitglieder der Genossenschaft Geld leihen müssen, um die Bankdarlehen teilweise zurückzahlen zu können.
1927 wurden 75 Mark je Anteil angefordert und 1928 waren es 400 Mark. Da auch die Rückzahlung dieser Gelder
an die Mitglieder Probleme bereitet hätte, wurden diese Beträge den Geschäftsanteilen zugeschrieben,
wodurch sich zum 1.Februar 1929 der Geschäftsanteil auf 500 Mark erhöhte. Vierunddreißig Jahre dauerte es,
bis 1963 der Geschäftsanteil auf 1.000 DM festgesetzt wurde. Dieser Wertansatz hat bis heute Gültigkeit.
Von Anfang an mussten die Mitglieder zusätzlich zu ihrem Geschäftsanteil mit einem Haftungskapital für ihre Genossen-schaft bürgen. Erst im Jubiläumsjahr 1998 wurde diese erweiterte Haftung aufgehoben.
Zum Betrieb einer Stromversorgung waren ein Büro, Lagerräume und eine Werkstatt notwendig.
Bis 1929 fand man hierfür im ehemaligen Brauhaus (Badehaus Sonne) eine Heimstatt. In den folgenden acht Jahren waren diese Einrichtungen dann im Erdgeschoss des heutigen Rathauses untergebracht.
Nicht weit musste die Karawane ziehen, um 1937 in den Neubau der Landwirtschafts- und Gewerbebank
aufgenommen zu werden. Dort waren neben der Verwaltung und dem Werkstattbetrieb auch viele Jahre die
Installation und das Ladengeschäft untergebracht. Mit dem Erwerb der Weberei Fischen in Vorderhindelang hatten zumindest das Material- und Gerätelager sowie die Werkstatt eine eigene Bleibe gefunden.

Die Verwaltung, das Ladengeschäft und das Installationslager fanden ihr endgültiges Domizil 1979 im neuen Wohn- und Geschäftshaus in Hindelang. Das Wandern hatte nun ein Ende, die „Nomaden“ wurden in Hindelang und Vorderhindelang sesshaft.